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Rezension: Beta

Posted by admin on Februar - 4 - 2013


Beta von Rachel Cohn
416 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570161647
17,99€



Was macht einen Menschen aus? Eine Seele?
Elysia ist eine Teen Beta. Ein Klon mit fuchsiaroten Augen, geschaffen um den Menschen zu dienen. Und sie hat keine Seele.
Das zumindest sagt man ihr, als man ihr erklärt, dass der Mikrochip in ihrem Gehirn dazu da ist, sie menschliche Emotionen simulieren zu lassen. Tatsächlich ist ihr vieles fremd, als eine wohlhabende Familie sie kauft und mit nach Hause nimmt. Sarkasmus, Humor, Gestik und Mimik… alles muss sie wie ein kleines Kind erst einmal lernen.
Doch Elysia lernt schnell. Und sie merkt: ob sie nun eine Seele hat oder nicht, Emotionen hat sie. Eigene, die ihr niemand nehmen kann. Die sie eigentlich nicht haben dürfte. Denn ein Klon mit Gefühlen ist ein defekter Klon. Ein kaputtes Spielzeug, das die Besitzer einfach wegwerfen können. Ihr bleibt also keine Wahl als zu verheimlichen, was sie fühlt. Eine Aufgabe, die ihr zunehmend schwerer fällt, als sie sich verliebt… und als sie von einer im Untergrund brodelnden Rebellion erfährt.


Dystopien sind noch immer der Renner auf dem Jugendbuchmarkt. Doch nicht jeder Autor kann auch eine gute Dystopie schreiben. Ist es Rachel Cohn gelungen?

Rachel Cohn dürfte vielen aus dem Duo Cohn – Levithan (zum Beispiel mit „Soudtrack einer Nacht“ und „Dash & Lilys Winterwunder“) bekannt sein. In dieser Kombination begeistern die beiden Autoren auf dem Jugendbuchmarkt mit ihren frischen, leichten Erzählungen voller Wärme und Wahrheit. Von daher macht es neugierig, dass nun der weibliche Part des Duos mit einer Dystopie solo geht.

Es dürfte eingefleischte Fans und Neueinsteiger gleichermaßen beruhigen, wenn man vorweg sagt: Beta lässt sich wunderbar lesen. Die Leichtigkeit und der Wortfluss sind auch hier sehr ein Hauptmerkmal der Geschichte. Leider hört da meine Begeisterung schon beinahe auf.
Beginnen wir mit den Charakteren, allen vorweg natürlich Elysia. Ihre Situation als Klon, als Betamodell, wird interessant eingeleitet. Man erfährt etwas über die Hintergründe, darüber, warum es Klone überhaupt gibt und wie die Gesellschaft dieser Zukunftsvision überhaupt aussieht. Doch die Charaktere selber bleiben das gesamte Buch über recht eindimensional und langweilig.
Als Elysia beginnt ihre Emotionen als solche zu erkennen, weiß der Leser schon lange Bescheid. Es geschieht kaum ein merklicher Prozess, der zu einer Veränderung ihrer Denkweise führt und lässt den Leser so relativ teilnahmslos durch die Geschichte plätschern.

Andere Charaktere sind Stereotypen und bekommen noch weniger Profil ab. Wo eigentlich der Klon emotionslos und starr sein sollte, sind es tatsächlich so ziemlich alle anderen auftretenden Personen. Und auch nach mehr als der Hälfte des Buches wartet man vergebens auf eine Entwicklung der Menschen, die Elysias Leben begleiten. Die Kinder aus der Familie, in die sie eingekauft wurde, die Freunde dieser Kinder und auch die Eltern scheinen auf der Stelle zu treten und nur innerhalb ihrer klar definierten Linien zu agieren.

Etwas Ähnliches muss auch Rachel Cohn schließlich aufgefallen sein, denn allzu plötzlich machen einige der Charaktere eine einhundertachtzig Gradwende durch. Ohne Vorwarnung und vorherige Anzeichen überraschen sie dermaßen, dass sie jede Glaubwürdigkeit verlieren.

Insgesamt ist das meiner Meinung nach das Problem der Geschichte. Denn nicht nur die Charaktere stecken zunächst entwicklungslos fest, auch die Erzählung selber. Bis dann plötzlich Kehrtwenden und Überraschungen auftauchen, die beinahe schon zu extrem wirken. Letztendlich sitzt man als Leser etwas geschockt vor den letzten Seiten und weiß nicht recht, ob man es hätte ahnen sollen (weil das ganze Buch über so wenig Aufrüttelndes passiert, dass es zum Schluss geballt kommen muss), oder ob diese Überraschungen einfach zu viel des Guten sind.

Letztendlich ist auch der Science Fiction-Aspekt nur relativ schwach ausgearbeitet und kann nicht durch Originalität überzeugen. Es wirkt ein wenig so, als wäre der Bequemlichkeit halber der Stempel „Dystopie“ auf das Buch gedrückt und einige SiFi-Elemente eingeflochten und damit der nächste Bestseller erhofft worden. Leider, leider. Manche Autoren, die ansonsten sehr gut schreiben können, sollten die Finger von Dystopien lassen. Rachel Cohn ist ein Beispiel dafür.

In Sternen:

One Response so far.

  1. Melissa sagt:

    Oh, das klingt ja niederschmetternd. Hatte anderen Orts nur Gutes gehört über das Buch. Mal sehen…


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