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Rezension: Wir beide, irgendwann

Posted by admin on Juni - 4 - 2012


Wir beide, irgendwann von Jay Asher und Carolyn Mackler
400 Seiten (Hardcover)
Verlag: cbt
ISBN: 978-3570161517
17,99€
Erscheint am 27.08.2012



Facebook: jeder hat schon mal davon gehört, viele bleiben über das soziale Netzwerk in Kontakt, berichten über ihren Tag und lassen ihre Freunde an kleinen Momentaufnahmen aus ihrem Leben teilhaben. Nicht jedoch Emma. Denn im Jahr 1996 war das Netzwerk noch gar nicht erfunden und das Internet gerade erst in seinen Anfängen. Zudem hat das sechzehnjährige Mädchen momentan noch ganz andere Probleme, denn sie steckt in einer Beziehung, in der sie eigentlich nicht sein will, ist verliebt in einen anderen Mitschüler und verwindet noch immer das Debakel mit Josh. Josh, ihr Nachbar und früher bester Freund, der ihr seine Liebe gestand und dem sie einen Korb gegeben hat. Seitdem gehen die beiden sich so gut es geht aus dem Weg und stehen vor den Bruchstücken ihrer Freundschaft.

Erst als Josh ihr eine AOL-Disc gibt und Emma sich erstmals ins Internet einloggt, geschieht etwas, das alles verändern soll. Denn Emma entdeckt ihr Facebook-Profil – in 15 Jahren! Eine Website die aus der Zukunft kommt und leider nicht ganz das zeigt, was Emma sich gewünscht hätte. Mit 31 wird sie arbeitslos und unglücklich verheiratet sein, Josh hingegen baut sich eine Familie mit dem beliebtesten Mädchen der Schule auf und wohnt in einem luxuriösen Haus direkt am See. Eine Horrorvorstellung, die Emma nicht mehr loslässt und die sie unbedingt ändern möchte. Gemeinsam mit Josh versucht sie die Zukunft zu ergründen, ihr scheinbares Schicksal im Unglück zu verändern und bringt dabei die Gegenwart ganz schön durcheinander…



Dass man nicht nur bei, sondern auch über Facebook ganz wunderbare Geschichten erzählen kann, beweisen Jay Asher und Carolyn Mackler mit „Wir beide, irgendwann“ bravourös. Ein Gute-Laune-Buch und eine Hommage an das Hier und Jetzt, wie man es in schönerer Form auf dem Jugendbuchmarkt kaum findet.

Wenn ich also ein wenig meckere, dann ist das ein leichtes Sticheln auf sehr hohem Niveau. Denn sowohl Emma als auch Josh sind nicht unbedingt vielschichtige Charaktere. Emma wirkt bisweilen kühl und berechnend – ist sie doch in einer Beziehung, in der sie eigentlich gar nicht sein will und schielt unverhohlen einem anderen hinterher. Diese Distanziertheit macht sie allerdings mit ihren Gefühlsausbrüchen wieder wett. Oft handelt sie unüberlegt und impulsiv, muss ihren Willen durchsetzen und rennt sprichwörtlich mit dem Kopf durch die Wand.

Beinahe das genaue Gegenteil ist Josh, der schüchtern und zurückhaltend wirkt. Schnell wird klar, dass er die Rolle des smarten aber nicht unbedingt beliebten Jungen hat. Ihn zeichnet aus, dass er immer zunächst versucht alles logisch anzugehen und das Richtige zu tun. Manchmal stellt er sich dabei etwas tollpatschig an und verfehlt den richtigen Moment (wie zum Beispiel als er Emma seine Liebe gestand) und manchmal sagt er genau das Richtige und stellt den moralischen Kompass des Duos dar.

So unterschiedlich die beiden also wirken, so toll passen sie auch zusammen. Das ist dem Leser gleich von der ersten Seite an klar und aus diesem Grunde stören die offensichtlichen Gegensätze kaum noch. Ist sie der brodelnde Vulkan des Gespanns, so ist er der Fels in der Brandung.
Kein Wunder also, dass man sofort mitten drin ist in der turbulenten Geschichte. Die Möglichkeiten, die sich ergeben, sind zahllos und die Überlegungen, die man beim Lesen macht, entwickeln eine gewisse Eigendynamik. Wenn man seine Zukunft schon jetzt kennen kann, wie kann man sie beeinflussen? Welche winzige Handlung führt zu einer Veränderung und wie groß sind die Kreise, die sie letztendlich schlagen wird?

Gemeinsam mit Josh und Emma begibt man sich auf diese außergewöhnliche Reise und durchlebt Hochs nach Tiefs während man sich mit jeder Seite mehr in das Buch verliebt. Denn wo das fantastische Element der Website aus der Zukunft für Spannung sorgt, erzählen die Autoren doch eigentlich etwas ganz anderes: dass man aus jedem Tag das Beste machen und ihn genießen soll und dass man eine Person, die einen wirklich versteht, unbedingt fest halten muss.

Und so ist das poppig-bunte, fröhliche Cover des Buches auch irgendwie Programm. Es stört kein bisschen, wenn manche Handlungsstränge im Sand verlaufen und die Protagonisten hier und da einmal anecken. Denn am Ende möchte man nichts dringender, als seine Freunde auf eine Pizza einladen und ihnen von diesem Buch erzählen. Zur Not auch über Facebook.

In Sternen:

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2 Responses so far.

  1. Karo sagt:

    Oh welch schöne Rezi.
    Das Buch brauche ich dringend- jetzt erst Recht.
    Ich finde es schön, wenn ein Buch nachhaltig so Eindruck hinterlässt, dass man etwas verändern möchte oder aktiv werden möchte.

  2. admin sagt:

    Dann wünsche ich dir schon mal ganz viel Spaß beim Lesen! :)


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